• Projekt

  • Aktuelles

  • Zeit­zeugen­berichte

  • Hintergrund

    • Die große Ausweisung 1938

    • »Räder müssen rollen für den Sieg« – die Kriegsjahre 1939 bis 1944

    • 1945 – das letzte Kriegsjahr

    • Reparationszüge durch Frankfurt (Oder): Der Kolonnendienst

    • Großer Bahnhof 1950

    • Das Tor nach Deutschland – das Tor zur Heimat 1945–1994

    • 1945 bis 1950: So viele Menschen – so viele Wege…

    • 1950 – 1956: Spätheimkehrer, Aussiedler, neue Flüchtlinge…

  • Kontakt

    • Impressum

Die große Ausweisung 1938

»Räder müssen rollen für den Sieg« – die Kriegsjahre 1939 bis 1944

1945 – das letzte Kriegsjahr

Reparationszüge durch Frankfurt (Oder): Der Kolonnendienst

Großer Bahnhof 1950

Das Tor nach Deutschland – das Tor zur Heimat 1945–1994

1945 bis 1950: So viele Menschen – so viele Wege…

1950 – 1956: Spätheimkehrer, Aussiedler, neue Flüchtlinge…

1938

1956

Großer Bahnhof 1950

Am 6. Juli 1950 unterzeichneten die Regierungen Polens und der im Oktober 1949 gegründeten DDR das Görlitzer Abkommen, dessen Kerngehalt die Bestätigung der deutsch-polnischen Grenze an Oder und Neiße war. Im scharfen Kontrast zu der in der Bundesrepublik Deutschland vertretenen Position, sollte diese Grenze – bald mit der Umschreibung »Friedensgrenze« versehen – einen demonstrativ endgültigen Charakter tragen. Das Görlitzer Abkommen barg nicht zuletzt einen starken innenpolitischen Verweis für weite Teile der Bevölkerung der DDR, hielten sich doch auch hier noch Jahre nach Kriegsende starke Gerüchte, die neue polnische Westgrenze sei nur eine provisorische Linie, deren Korrektur früher oder später erfolgen werde. Das in Richtung Polen gesandte Zeichen der endgültigen Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze war darüber hinaus eine starke Note an die Bundesrepublik, gegenüber der sich die DDR als der wahre deutsche Friedensstaat abzugrenzen versuchte. Nicht zuletzt die kürzlich direkt an die Oder versetzte Friedensglocke verweist in Frankfurt (Oder) bis heute auf diese Phase doppelter deutscher Ostpolitik.

Trug die Oder nach 1945 zunächst den Charakter einer völlig unüberwindlichen, nachgerade militärisch überwachten und gesicherten Barriere, so folgte nun eine zunächst zaghafte, auf offiziellen Kontakten beruhende Kontaktaufnahme zwischen den Städten an der Grenze, welche ebenso stark kontrolliert wie inszeniert wurde. Ein Massenphänomen wurde der deutsch-polnische Grenzübertritt in dieser Zeit noch nicht.

Umso stärker wurden die offiziellen Staatsbesuche herausgestrichen, die die Präsidenten der DDR und Polens ihren jeweiligen Nachbarländern in der Zeit kurz nach dem Görlitzer Abkommen abstatteten. Vom 18. – 20. 12. 1950 wurde Wilhelm Pieck in Warschau empfangen, zwischen dem 22. und dem 24. 4. 1951 erwiderte Polens Staatspräsident Bolesław Bierut diesen Besuch und reiste in die DDR. Beider Wege führten über Frankfurt (Oder), wo die Sonderzüge zum Halten kamen und die Staatsgäste mit großem Aufwand öffentlich begrüßt und verabschiedet wurden. Der Bahnhof Frankfurt (Oder) bekam nun, über hundert Jahre nach seiner Eröffnung, eine neue Funktion, die er fortan jahrzehntelang ausfüllen sollte: Frankfurt (Oder) wurde der Ort für den sprichwörtlichen »großen Bahnhof«, also für den ersten feierlichen Empfang auf deutschem Boden, den man hochrangigen Gästen aus dem sozialistischen Ausland zuteilwerden ließ.

Die Aufwertung des Bahnknotens Frankfurt in den fünfziger Jahren war keineswegs nur eine symbolisch-zeremonielle: Gelegen an der kürzesten und leistungsfähigsten Bahnverbindung zwischen der DDR und der UdSSR wurde Frankfurt ein erstrangiges Zentrum für den Güterumschlag, also für größte Teile des Imports und Exports, sofern diese per Bahn erfolgten. Zu diesem Zweck wurde seit dem Jahre 1950 der Bau des Grenzbahnhofs Oderbrücke vorangetrieben, der als gemeinsamer Übergabebahnhof der Deutschen Reichsbahn und der Polnischen Staatsbahnen 1954 in Betrieb ging. Langsam löste eine neue Realität die Phase der unmittelbaren Kriegsfolgen ab. Dem Bahnhof Frankfurt (Oder) wuchs nunmehr eine internationale Rolle zu, die bis in die Gegenwart prägend blieb.

 

Autor

Prof. Dr. Werner Benecke

Weiterführende Literatur:

Kuhlmann, B.: Eisenbahnen über die Oder-Neiße-Grenze, Pürgen 2004, Meyer, L., Regling, H.: Eisenbahnknoten Frankfurt / Oder. Das Tor zum Osten, Stuttgart 2000., Schmidt, D.: Wir Eisenbahner am Oderstrom. Aus der Geschichte des Bahnbetriebswerkes und des Dienstortes der Deutschen Reichsbahn Frankfurt (Oder), Frankfurt (Oder) 1982.

Rotary Club: Erinnerungsort Bahnhof Frankfurt (Oder)

|

Impressum