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Die große Ausweisung 1938

»Räder müssen rollen für den Sieg« – die Kriegsjahre 1939 bis 1944

1945 – das letzte Kriegsjahr

Reparationszüge durch Frankfurt (Oder): Der Kolonnendienst

Großer Bahnhof 1950

Das Tor nach Deutschland – das Tor zur Heimat 1945–1994

1945 bis 1950: So viele Menschen – so viele Wege…

1950 – 1956: Spätheimkehrer, Aussiedler, neue Flüchtlinge…

1938

1956

1945 – das letzte Kriegsjahr

Als am 12. bzw. 14. Januar 1945 die Rote Armee die Weichsel-Oder-Operation begann, setzte eine gewaltige Fluchtbewegung der deutschen Ostbevölkerung ein. Diese führte vielfach zu Chaos und erschütternden Abfahrszenen. Dafür waren allein die für die Evakuierung zuständigen NSDAP-Gau- und Kreisleitungen verantwortlich. Sie behinderten die organisierte Absetzbewegung vor allem in den östlichen Kreisen des Regierungsbezirkes Frankfurt Ende Januar 1945 durch zu späte oder ausbleibende Aufbruchsbefehle.

 

Den Bahnhof Frankfurt (Oder) erreichten die ersten Flüchtlingszüge am 21. Januar 1945. Für die Ankommenden organisierten HJ und BDM ab 22. Januar 1945 ein Bahnhofsdienst. Jungen und Mädchen trugen den Frauen, Müttern und Alten das Gepäck und transportierten Kranke und Gebrechliche zu Auffang- und Sammellagern. Die Zahl der hier Ankommenden lässt sich nach einem Zeitungsbericht auf etwa 300 000 Menschen schätzen. Das Dreifache davon ist jedoch wohl realistisch. Für die Ostflüchtlinge war hier jedoch nicht die Endstation einer tagelangen, von quälender Ungewissheit über ihre weitere Zukunft geprägten Bahnfahrt, sondern nur ein Durchgangsbahnhof. Während sie weiter ins Reichsinnere transportiert wurden, kamen zeitgleich noch Ausgebombte aus Berlin an.

 

Wegen der näher rückenden Front wurden auch KZ-Häftlinge in Richtung Frankfurt abtransportiert. Sie kamen jedoch nicht in Personenzügen, sondern trotz des miserablen körperlichen Zustandes und der großen Kälte in Vieh- oder offenen Waggons hier durch.

 

Während die einen aus dem Osten im Bahnhof eintrafen, hielten im Januar 1945 hier immer noch Züge mit »frischen«, meist sehr jungen und wenig ausgebildeten Soldaten auf ihrem Weg nach dort.

 

In diese Zeit fielen auch der Ausbau und die Erklärung Frankfurts zur Festung (26.01.1945). Nun kamen hier auch Soldaten – letzte zusammengeraffte Reserven, z.T. ebenso wenig ausgebildet und schlecht bewaffnet – zur Verteidigung Frankfurts an, u.a. Volkssturmeinheiten aus Süddeutschland und Thüringen.

 

Noch am 26. Januar 1945 wurde das I. Aufgebot des Frankfurter Volkssturms mit der Eisenbahn zum Einsatz im Oder-Warthe-Festungsbogen in den Raum Meseritz (heute Międzyrzecz) transportiert. Für die Verladung und Entladung von Soldaten und Militärgerät wurden vor allem die Verladerampe an der Fürstenwalder Straße und der Güterbahnhof an der heutigen August-Bebel-Straße genutzt.

 

Am 29. Januar 1945 durchbrachen Einheiten der 1. Weißrussischen Front die deutsche Front zwischen Schwiebus (heute Świebodzin) und Meseritz und stießen weiter in Richtung Westen vor. Wegen der akuten Frontlage hielten seit Ende Januar Feldjägerkommandos im Bahnhof Züge mit Soldaten an, die vom Front-urlaub oder von Genesenenkompanien zu ihren Einheiten unterwegs waren, holten sie heraus und führten sie der Festungsbesatzung zu.

In der Nacht vom 3. zum 4. Februar 1945 setzten sowjetische Einheiten südlich bei Schwetig (heute Świecko) über die Oder und bildeten im Frankfurter Eichwald einen Brückenkopf. Am 19. Februar wurde die Frankfurter Eisenbahnbrücke im westlichen Teil unterbrochen, drei Tage später das Ost- und Westfeld der Brücke durch die Wehrmacht gesprengt. Damit wurde der Bahnhof Frankfurt in Richtung Osten Endstation.

 

Mit den Kampfhandlungen vor Ort verließen jetzt Ausgebombte und erste Frankfurter Familien privat die Stadt. Ab 4. Februar fuhr ein Großteil der Bevölkerung nach Evakuierungsaufrufen organisiert vom Personen- und Güterbahnhof und von der Haltestelle Simonsmühle ab. Bis zum 21. Februar bestand noch die offizielle Möglichkeit, zurückzufahren, um Zurückgelassenes nachzuholen.

 

Mit der Berliner Operation am 16. April 1945 begann für Frankfurt (Oder) das letzte Kapitel im Zweiten Weltkrieg. Neben Artilleriebeschuss griffen am 20., 21. und 22. April sowjetische Bombenfliegerkräfte die Oderstadt an. Dabei wurden auch Bahnhofs- und Bahnanlagen beschädigt. Werkzeuge, Maschinen, Unterlagen und Personal waren zuvor schon abtransportiert worden. Am 22. April begann der Rückzug der Festungstruppen. Dabei wurden Eisenbahnbrücken in der Hindenburgstraße und Güldendorfer Straße noch gesprengt. So war der Bahnhof Frankfurt (Oder) nun mit dem Zug kaum mehr zu erreichen.

Autor

Dipl.-Lehrer Wolfgang Buwert

Weiterführende Literatur:

Tieke, W.: Das Ende zwischen Oder und Elbe. Der Kampf um Berlin 1945, Stuttgart 1992.

Le Tissier, T.: Der Kampf um Berlin 1945, Frankfurt/M./ Berlin 1994.

Buwert, W.: Festung Frankfurt (Oder): eine Stadt am Kriegsende, in: Brandenburg im Jahr 1945. Studien, hrsg. von Werner Stang unter Mitarbeit von Kurt Arlt, Potsdam 1995.

Ebenso in: H. 2/1995 der Mitteilungen des Historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) e.V.

 

Rotary Club: Erinnerungsort Bahnhof Frankfurt (Oder)

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