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Die große Ausweisung 1938

»Räder müssen rollen für den Sieg« – die Kriegsjahre 1939 bis 1944

1945 – das letzte Kriegsjahr

Reparationszüge durch Frankfurt (Oder): Der Kolonnendienst

Großer Bahnhof 1950

Das Tor nach Deutschland – das Tor zur Heimat 1945–1994

1945 bis 1950: So viele Menschen – so viele Wege…

1950 – 1956: Spätheimkehrer, Aussiedler, neue Flüchtlinge…

1938

1956

1945 bis 1950: So viele Menschen – so viele Wege…

Das heutige Frankfurt (Oder) wurde am 23. April 1945 von der Roten Armee kampflos eingenommen. Damit stand der Eisenbahnknotenpunkt Franfurt nun unter sowjetischer Kontrolle und wurde durch die Festlegungen der Siegermächte erstmals Grenzbahnhof. Schon am 25. April 1945 begannen sowjetische Pioniere eine Behelfseisenbahnbrücke über die Oder zu errichten. Wenige Tage später erreichten bereits Militärtransporte den Personenbahnhof. Die über die Hindenburgstraße (= August-Bebel-Str.) gesprengten Eisenbahnbrücken wurden durch Behelfsbrücken schnell wieder befahrbar gemacht und das linke Gleis nach Berlin auf russische Breitspur umgenagelt. Ab 6. Mai konnte es durchgängig für Nachschubtransporte und nach Kriegsende für schnelle Truppentransporte in Richtung Osten zum Einsatz gegen Japan genutzt werden. Am 28. Juni durchfuhr auf dieser Spur erstmals der Moskau-Berlin-Express (= »Blauer Express«) den Bahnhof und Stalin im Sonderzug in den frühen Vormittagsstunden des 16. Juli 1945 auf dem Weg zur Potsdamer Konferenz (17.07.1945 – 02.08.1945). Bis Ende August wurde die Strecke wieder auf Normalspur umgerüstet und zum 1. September 1945 der Eisenbahnbetrieb in deutsche Hände übergeben. Jedoch blieben wichtige Entscheidungen in sowjetischer Hand.

 

Im Mai 1945 trafen die ersten Frankfurter Einwohner aus den Evakuierungsorten ein. Diese Fahrten waren selbst von Berlin aus wegen der wenigen Mitfahrmöglichkeiten zu Tagesfahrten geworden. Ab Anfang September gab es wieder einen öffentlichen Zugverkehr nach Berlin. Schon vor den alliierten Festlegungen setzten unkoordinierte Beutezüge (»Trophäenaktionen«), tlw. privat, ein, die zunächst in Lagern gesammelt, dann auf Güterzüge verladen und, jeglicher Witterung ausgesetzt, z.T. über Frankfurt in die Sowjetunion abtransportiert wurden. Auch von »Trophäenkommissionen« requirierte Kulturgüter aus staatlichem und privatem Besitz gingen diesen Weg.

 

Die Kriegsfolgeerscheinungen zwangen Frankfurt und den Bahnhöfen noch weitere Funktionen auf. Hier wurden ab Mai 1945 deutsche Kriegsgefangene und Internierte gesammelt, zu Transporten zusammengestellt und nach Osten zur Arbeit abtransportiert. Ebenso gesammelt und durch Verhöre zusätzlich filtriert, wurden ehemalige sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter von der Oderstadt in eine ungewisse »Heimat« zurückgebracht. Auch gefangene ehemalige Wlassow-Leute transportierte man über Frankfurt. Ab Juni 1945 kamen hier aus entgegengesetzter Richtung Hunderttausende Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und Polen an. Über 20.000 blieben wegen der Heimatnähe in Frankfurt.

 

Vor und nach der Potsdamer Konferenz entnahm die UdSSR Reparationen aus ihrer Besatzungszone. Dazu wurden Industrie- und Bahnanlagen demontiert, tlw. in Frankfurt gelagert, Lieferungen aus der laufenden Produktion entnommen, Fachkräfte zwangsverpflichtet und zum Teil über die Frankfurter Bahnhöfe nach Osten abtransportiert. Auch inhaftierte und verurteilte Zivilisten aus den Speziallagern des NKWD wurden über Frankfurt nach Sibirien deportiert (= Pelzmützentransporte).

 

Gleichzeitig kamen ab Juni 1945 die ersten deutschen und westeuropäischen Kriegsgefangenen und zur Arbeit zwangsmobilisierte Zivilisten meist in einem schlechten Gesundheitszustand (= Dystrophie), über die hiesigen Bahnhöfe zurück. Hier betraten sie erstmals wieder deutschen Boden. Frankfurt wurde damit für sie zum Symbol für die wieder gewonnene Freiheit. Auf dem Personenbahnhof wurden sie von den kirchlichen Bahnhofsmissionen aufopferungsvoll betreut. Allein 1945 kamen in Frankfurt 607.684 Kriegsgefangene und Internierte an. Vom 27. Juli 1946 bis 3. Mai 1950 war das zentrale Heimkehrerlager Gronenfelde für weitere fast 1,2 Millionen Männer, Frauen und Kinder die erste deutsche Anlaufstelle. Hier wurden sie in Landsmannschaften aufgeteilt und mit Güter-, tlw. Personen- oder Lazarettzügen in ihre Heimat abtransportiert. Wegen des riesigen Menschenumschlagplatzes stieg Frankfurt ungewollt für mehr als ein halbes Jahrzehnt zu nationaler und tlw. europäischer Bedeutung auf.

Autor

Dipl.-Lehrer Wolfgang Buwert

Weiterführende Literatur:

Buwert, W.: Gefangene und Heimkehrer in Frankfurt (Oder) 1945 – 1950/56. Studien. In: Brandenburgische historische Hefte 9, Potsdam 1998. Auch im Internet als Pdf-Datei. / Kaminsky, A.: Heimkehr 1948, München 1998. / Wille, M. (Hg.): Die Vertriebenen in der SBZ/DDR. Dokumente, Wiesbaden 1996.

Reimer/ Meyer/ Kubitzki: Kolonne. Die Deutsche Reichsbahn im Dienste der Sowjetunion, Stuttgart 1998.

Meyer, L./ Regling, H.: Eisenbahnknoten Frankfurt/Oder. Das Tor im Osten, Stuttgart 2000.

Kuhlmann, B.: Eisenbahnen über die Oder-Neiße-Grenze, Pürgen 2004.

 

Rotary Club: Erinnerungsort Bahnhof Frankfurt (Oder)

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