• Projekt

  • Aktuelles

  • Zeit­zeugen­berichte

  • Hintergrund

    • Die große Ausweisung 1938

    • »Räder müssen rollen für den Sieg« – die Kriegsjahre 1939 bis 1944

    • 1945 – das letzte Kriegsjahr

    • Reparationszüge durch Frankfurt (Oder): Der Kolonnendienst

    • Großer Bahnhof 1950

    • Das Tor nach Deutschland – das Tor zur Heimat 1945–1994

    • 1945 bis 1950: So viele Menschen – so viele Wege…

    • 1950 – 1956: Spätheimkehrer, Aussiedler, neue Flüchtlinge…

  • Kontakt

    • Impressum

Die große Ausweisung 1938

»Räder müssen rollen für den Sieg« – die Kriegsjahre 1939 bis 1944

1945 – das letzte Kriegsjahr

Reparationszüge durch Frankfurt (Oder): Der Kolonnendienst

Großer Bahnhof 1950

Das Tor nach Deutschland – das Tor zur Heimat 1945–1994

1945 bis 1950: So viele Menschen – so viele Wege…

1950 – 1956: Spätheimkehrer, Aussiedler, neue Flüchtlinge…

1938

1956

1950 – 1956: Spätheimkehrer, Aussiedler, neue Flüchtlinge…

Am 3. Mai 1950 wurde das Heimkehrerlager Gronenfelde geschlossen. Einen Tag später erklärte die sowjetische Nachrichtenagentur TASS die Rückführung der deutschen Kriegsgefangenen für beendet. Demnach wurden insgesamt 1,939.063 deutsche Kriegsgefangene in die Heimat entlassen. Meldung und Zahlenangaben stimmten nicht und wurden so zu einem »Spielball des Kalten Krieges«.

 

Mit der von Jahr zu Jahr abnehmenden Kriegsgefangenenzahl stieg in der Sowjetunion gleichzeitig die Zahl der als »Kriegsverbrecher« verurteilten Deutschen. Voruntersuchung und gerichtliche Untersuchung wurden ohne Schwierigkeiten binnen eines Tages vorgenommen. Das Strafmaß war für viele gleich: 25 Jahre Besserungsarbeitslager. Die sowjetische Regierung wollte auf diese meist qualifizierten Arbeitskräfte nicht verzichten. Die Zurückgehaltenen wurden weiterhin für Arbeiten beim Bau im Donbas, im Ural, im Gebiet Stalingrad und Chabarowsk, beim Kohleabbau, für den Bau von Betrieben der Schwerindustrie, der Maschinenbauindustrie, der Rüstungsindustrie, der Schwarzmetallurgie, für den Wohnungsbau usw. benötigt.

 

Am 20. August 1953 flog DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl zu Verhandlungen nach Moskau. U. a. wurde dabei am 21. August 1953 zwischen der UdSSR und der DDR ein Vertrag über die Rückführung der verurteilten Kriegsgefangenen in beide deutsche Staaten geschlossen. Danach wurden über 12.000 Kriegsgefangene begnadigt und abtransportiert. Nach den Moskauer Verhandlungen von Bundeskanzler Konrad Adenauer im September 1955 amnestierte die Sowjetunion nochmals 8.877 verurteilte Deutsche und übergab 749 Kriegsverurteilte als »besonders schwere Fälle« den beiden deutschen Regierungen zur weiteren Haftverbüßung. Die letzten von ihnen wurden im Januar 1956 aus der Sowjetunion abtransportiert.

 

Auch für diese Spätheimkehrer war Frankfurt (Oder) erster Ort der Freiheit. Für die Ankommenden wirkte die Ankunft auf dem Frankfurter Personenbahnhof jedoch meist abweisend und eisig. Der Personenbahnhof blieb für sie aber nur erster Haltepunkt auf deutschen Boden, denn die Züge wurden nun zur Entlassung nach Fürstenwalde oder direkt zu den Grenzübergängen zur Bundesrepublik weitergeleitet.

 

Für einen heimkehrenden Kriegsgefangenen gab es jedoch einen besonderen Empfang in der MITROPA des Bahnhofs, für Generalfeldmarschall Friedrich Paulus, den ehemaligen Befehlshaber der 6. Armee in Stalingrad. Er wollte in der DDR bleiben und war für die DDR-Führung zu einer verwendbaren Person geworden.

Aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und Polen kamen weiter Familien als Aussiedler hier an, jedoch wesentlich weniger. Sie blieben meist nicht in der Oderstadt, sondern fuhren in die Bundesrepublik.

 

Bis 31. Dezember 1953 fuhren noch Reparationszüge über Frankfurt (Oder) in die Sowjetunion. Am Ende betrugen die Wiedergutmachungsleistungen aus der sowjetischen Besatzugszone und der DDR 97 bis 98 % der Reparationsleistungen ganz Deutschlands.

 

Unter der Bevölkerung häufte sich der Unmut gegen den von der SED-Führung beschlossenen Aufbau des Sozialismus. Die Ablehnung der vorherrschenden Ideologie, Versorgungslücken bei Waren des täglichen Bedarfs und Konsumgütern, die ständige Mangelwirtschaft, Verstaatlichungen, Verbote und Einschränkungen im gesellschaftlichen Leben u.v.m. führten jetzt verstärkt zur Flucht von Menschen aus allen Bevölkerungsschichten. Wegen politischer und wirtschaftlicher Drangsalierungen und Diffamierungen durch staatliche und städtische Behörden und Ämter, durch die SED-Zeitungen Märkische Volksstimme (ab 1946) und Neuer Tag (ab 1952) und die SED verließen besonders viele, über Jahrzehnte in Frankfurt ansässige Firmenbesitzer, Geschäftleute und Handwerksmeister ihre Heimatstadt. Um bei den Zugkontrollen nicht aufzufallen, fuhren sie mit nur wenig Gepäck nach Westberlin und dort zunächst meist in eine Notaufnahmestelle und ab 1953 in das Notaufnahmelager Marienfelde. Mit viel Fleiß bauten sie sich in den alten Bundesländern oder in Westberlin eine neue Existenz auf.

Autor

Dipl.-Lehrer Wolfgang Buwert

Weiterführende Literatur:

Lang, M.: Stalins Strafjustiz gegen deutsche Soldaten, Herford 1981.

Ihme-Tuchel, B.: Die SED und die deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion zwischen 1949 und 1955, in: Deutschland Archiv, H. 5/ Mai, Köln 1994.

Kriegsgefangene – Voennoplennye. Sowjetische Kriegsgefangene in Deutschland. Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion, hrsg. vom Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Düsseldorf 1995

Buwert, W. (Hg.), Gefangene und Heimkehrer in Frankfurt (Oder) 1945 – 1950/56. Studien. In: Brandenburgische historische Hefte 9, Potsdam 1998. Auch im Internet als Pdf-Datei.

Effner, B./ Heidemeyer, H. (Hg.): Flucht im geteilten Deutschland, Berlin-Brandenburg 2005

 

Rotary Club: Erinnerungsort Bahnhof Frankfurt (Oder)

|

Impressum