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Die große Ausweisung 1938

»Räder müssen rollen für den Sieg« – die Kriegsjahre 1939 bis 1944

1945 – das letzte Kriegsjahr

Reparationszüge durch Frankfurt (Oder): Der Kolonnendienst

Großer Bahnhof 1950

Das Tor nach Deutschland – das Tor zur Heimat 1945–1994

1945 bis 1950: So viele Menschen – so viele Wege…

1950 – 1956: Spätheimkehrer, Aussiedler, neue Flüchtlinge…

1938

1956

»Räder müssen rollen für den Sieg« – die Kriegsjahre 1939 bis 1944

Für den Überfall auf Polen waren auch die in Frankfurt kasernierten Einheiten der 3. Infanteriedivison vorgesehen. Dazu wurden Reservisten einberufen, die bis etwa Ende Juli 1939 hier eintrafen. Bereits vom 2. bis 4. August 1939 verluden die Einheiten ihre Fahrzeuge, Waffen und Gerätschaften auf dem Verschiebebahnhof und fuhren, getarnt als Abschnittsbaustäbe des Baustabs XV, in ihren Einsatzraum Schneidemühl-Flatow (heute Piła-Złotów). Nach der Eroberung Polens folgte der Einsatz im Westen. Erst Wochen nach dem Waffenstillstand mit Frankreich kehrten die Einheiten im September 1940 zurück. Auch für den »Fall Barbarossa« waren die Frankfurter Wehrmachtteile eingeplant. Nach verbesserter Motorisierung verlegten die Kettenfahrzeuge Anfang Juni 1941 per Bahn nach Ostpreußen in den neuen Aufstellungsraum.

 

Die Verluste an der deutsch-sowjetischen Front ab etwa Herbst 1941 machten neben dem erhöhten Materialbedarf auch einen ständig steigenden Nachschub an Soldaten erforderlich. So fuhren immer mehr Soldaten- und Nachschubzüge über Frankfurt nach Osten. Auch für die Ersatzeinheiten in den hiesigen Kasernen trafen ständig neue Rekruten ein. Für die Züge mit Fronturlaubern, die nach Hause wollten oder von dort kamen, war auf den Bahnsteigen eine besondere Wehrmachtbetreuung durch Rotkreuz-Schwesternhelferinnen eingerichtet. Auch die Frauen der Bahnhofsmissionen waren hier unermüdlich tätig.

 

Besonders seit dem so gen. Russland-Feldzug vergrößerte sich ab etwa Herbst 1941 die Zahl der Verwundeten erheblich, so dass häufig Lazarettzüge mit Verwundeten, darunter viele Frankfurter, in der Stadt eintrafen und in den schon 1939 eingerichteten Reservelazaretten weiterbehandelt wurden.

 

Mit Güterzügen wurden die in den eroberten Gebieten der Sowjetunion geplünderten und geraubten Rohstoffe, Naturprodukte und Kulturgüter zum Teil auch über Frankfurt ins Reich transportiert.

 

Wegen der Kriegsschäden und wegen des steigenden Nachschubbedarfs der Wehrmacht startete die Deutsche Reichsbahn 1942 die Werbekampagne »Räder müssen rollen für den Sieg!« Um neue Transportkapazitäten zu schaffen, sollte die Zivilbevölkerung von Privatreisen abgehalten werden.

 

Da der Bedarf an Soldaten alle Produktionsbereiche erfasste, herrschte bald ein erheblicher Arbeitskräftemangel. Deshalb wurden schon frühzeitig polnische und französische Zwangsarbeiter als Ersatz hierher transportiert bzw. über Frankfurt ins Reich weitergeleitet. Am 2. Juli 1940 trafen die ersten Kriegsgefangenen aus dem Stalag III B Fürstenberg (Oder) zum Einsatz in Arbeitskommandos ein. Auch die Reichsbahn beschäftigte in Frankfurt ausländische Arbeitskräfte. Für ca. 150 Fremdarbeiter aus Westeuropa, Polen und der Tschechoslowakei errichtete sie dazu Baracken in der Nähe vom Haltepunkt Simonsmühle. Von 1943 bis 1945 arbeiteten sie z.B. als Rangierarbeiter, Weichenreiniger und in der Gepäckaufbewahrung des Personenbahnhofes oder auch als Technischer Zeichner. Unter ihnen gab es erfolgreiche Fluchtversuche

 

Aus den besetzten Gebieten der Sowjetunion und Polens rekrutierte der »Generalbevollmächtigte für den Arbeitssatz«, Fritz Sauckel, ein riesiges Zwangsarbeiterheer. Für die in Frankfurt ankommenden Menschen baute man u.a. Mitte 1942 südlich von Booßen neben dem Bahngleis ein Durchgangslager (heute Deponie Seefichten). 1944 richtete die Reichsbahn dazu die Haltestelle »Dreibrücken« ein. Die Zahl der Durchgeschleusten kann mit mehreren zehntausend Zwangsarbeitern angenommen werden.

 

In entgegengesetzter Richtung wurden Juden über Frankfurt in die Ghettos und Vernichtungslager im Osten deportiert. An den Planungen dafür war die hier ansässige Reichsbahndirektion Osten beteiligt.

 

Weil jeder Bombenangriff auf Berlin in Frankfurt ebenso Fliegeralarm auslöste, organisierte die HJ-Reichsjugendführung etwa ab 1942 auch für die Oderstadt eine Kinderlandverschickung von Schülern im Alter zwischen zehn und 14 Jahren in bombensichere Gebiete. Dagegen kamen wegen der Bombardierungen der westdeutschen Städte und Berlins zugleich Bombengeschädigte, Umquartierte und ab 1944 auch Westflüchtlinge zur Einquartierung hierher. In der Nacht vom 15. zum 16. Februar 1944 flog die Royal Air Force den einzigen Angriff auf die Stadt, u.a. mit dem Ziel, den Rangierbahnhof zu treffen.

 

Als die Rote Armee Anfang August 1944 Warschau erreichte, wurden Frankfurter und andere Jungen ab 15 und Mädchen ab 16 Jahre zum Schanzeinsatz der HJ vor dem Oder-Warthe-Festungsbogen in den Raum zwischen Meseritz (heute Międzyrzecz) und Schwiebus (heute Świebodzin) transportiert.

 

Autor

Dipl.-Lehrer Wolfgang Buwert

 

Weiterführende Literatur

Kreidler, E.: Die Eisenbahnen im Zweiten Weltkrieg, Hamburg 2001.

Spoerer, M.: Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz, Stuttgart/ München 2001.

Gottwaldt, G./ Schulle, D.: Die »Judendeportationen« aus d. Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005

 

Rotary Club: Erinnerungsort Bahnhof Frankfurt (Oder)

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