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Die große Ausweisung 1938

»Räder müssen rollen für den Sieg« – die Kriegsjahre 1939 bis 1944

1945 – das letzte Kriegsjahr

Reparationszüge durch Frankfurt (Oder): Der Kolonnendienst

Großer Bahnhof 1950

Das Tor nach Deutschland – das Tor zur Heimat 1945–1994

1945 bis 1950: So viele Menschen – so viele Wege…

1950 – 1956: Spätheimkehrer, Aussiedler, neue Flüchtlinge…

1938

1956

Reparationszüge durch Frankfurt (Oder): Der Kolonnendienst

Gemäß dem Potsdamer Abkommen vom Juli 1945 waren die Besatzungsmächte in Deutschland berechtigt, Reparationen in ihren jeweiligen Zonen geltend zu machen und diese nach eigenem Dafürhalten einzutreiben. Keine Besatzungsmacht hat hiervon so ausgiebig Gebrauch gemacht wie die im Krieg schwer zerstörte UdSSR. Die weitreichenden Demontagen von Industrieanlagen, Entnahmen aus der laufenden Produktion, die Gründung von Sowjetischen Aktiengesellschaften auf besetztem deutschen Boden, nicht zuletzt der legendäre Rückbau der Eisenbahninfrastruktur und deren Abtransport in die Sowjetunion kennzeichneten die ersten Nachkriegsjahre in der SBZ stark. Zwei- und mehrgleisige Strecken wurden – bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. die Strecke Berlin – Frankfurt (Oder) – auf eingleisigen Betrieb reduziert. Es bedurfte der bisweilen jahrzehntelangen Improvisation, den Betrieb halbwegs aufrecht erhalten zu können. Spuren dieser Demontagen sind bisweilen bis zum heutigen Tag im Eisenbahnbetrieb in den neuen Bundesländern zu bemerken. Das stark reduzierte Netz hatte zwischen 1945 und 1955 enorme zusätzliche Transportaufgaben abzuwickeln, namentlich die Reparationstransporte für die Besatzungsmacht.

 

Auf die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit dieser Transporte legten die sowjetischen Stellen höchsten Wert: Die Deutsche Reichsbahn hatte speziell für diesen Zweck reservierte Züge aus dem besten noch vorhandenen Material an Lokomotiven und Waggons zusammenzustellen und der Besatzungsmacht stets einsatzbereit zur Verfügung zu halten. Insgesamt standen im Oktober 1945 32 Zugkolonnen mit 809 Lokomotiven nebst der erforderlichen Anzahl von Eisenbahnern parat. Für diesen besonderen Dienst prägte sich der Begriff »Kolonne« aus. Der Bahnhof Frankfurt (Oder) war seit November 1945 Einsatzzentrum einer wachsenden Zahl von Lokkolonnen, was sich stark auf die Belegung von Gleisflächen und der Anlagen zu Unterhalt und Pflege der Züge auswirkte. Der Personalbestand der im Kolonnendienst in Frankfurt eingesetzten Eisenbahner belief sich auf mehr als 1400 Personen.

 

Die Reparationszüge verließen das Gebiet der SBZ über mehrere Übergangsstellen, unter denen Frankfurt (Oder) einen herausragenden Platz einnahm, denn die Oderstadt bildete den ersten deutschen Transitpunkt der kürzesten und leistungsfähigsten Ost-West-Strecke zwischen Brest und Berlin. Die Kolonnenzüge durchquerten polnisches Territorium auf mehreren Korridorstrecken und erreichten im ehemaligen Ostpreußen sowie auf den Bahnhöfen an der neu gezogenen polnischen Ostgrenze das Gebiet der UdSSR. Deutsche Eisenbahner also befuhren im Dienste der Siegermacht bereits 1945 wieder jene Strecken, die kurz zuvor noch als Rückgrat der Kriegführung an der Ostfront gedient hatten. Der sehr aufwändige, von den sowjetischen Behörden penibel kontrollierte Dienst in den Kolonnen war privilegiert und risikoreich zugleich, trafen doch die deutschen Personale in Polen und der Sowjetunion im unmittelbaren Kontakt auf Beamte und Zivilisten, deren Erinnerungen an Krieg und deutsche Besatzung noch sehr frisch waren. Mitunter dauerte ein Umlauf, z.B. eine Fahrt vom Bahnhof Frankfurt (Oder) bis nach Brest und zurück, mehrere Wochen.

 

Eine wertvolle Quelle zu den Kolonneneinsätzen bildet das Tagebuch des Lokomotivführers Ernst Walter Fischer, das unter

 

eisenbahnfreunde.transnet-ffo.de

 

zugänglich ist.

 

Autor

Prof. Dr. Werner Benecke

Weiterführende Literatur

Garn, R.: Für den Sieger fahren, in: Reichsbahn ohne Reich. Über die Nachkriegsgeschichte der ostdeutschen Staatsbahn. Band 1 (1945-1955): Auferstanden aus Ruinen? Berlin 1996 S. 66-95,

Reimer, M., Meyer, L., Kubitzki, V.: Kolonne. Die Deutsche Reichsbahn im Dienste der Sowjetunion, Stuttgart 1998.

Rotary Club: Erinnerungsort Bahnhof Frankfurt (Oder)

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